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Nebelweben

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Nebelweben

Der Nebelweber webt im Wald
ein weißes Hemd für sein Gemahl.
Die steht wie eine Birke schmal
in einem grauen Felsenspalt.

Im Winde schauert leis und bebt
ihr dämmergrünes Lockenlaub.
Sie läßt ihr Zittern ihm als Raub.
Der Nebelweber webt und webt ...



Christian Morgenstern 


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Das Vornamen-ABC-Gedicht mit dem Yak

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Agathe liebt Salate,
Brigitte Sahneschnitten
und Cäsar sprach Latein.

Daniela macht nie Fehler,
Emilie riecht nach Lilie
und Franzens Frack ging ein.

Gisella wäscht brav Teller,
Horst morst vom grünen Forst
und Irmtraud haust allein.

Jürgen muss immer würgen,
Karola trinkt gern Cola
und Lotte lieber Wein. 

Marianne in der Wanne
hört Norbert, der laut fordert:
Ophelia, komm bald heim!

Pauline nascht Pralinen,
Quirin will lieber hierhin,
Ralf-Rüdiger glitscht auf Schleim.

Sarah in der Sahara
sucht dort Theo, den Beo
und Utz bringt beide heim.

Verena kennt Athener,
Walter verschiedene Falter
und Xaver fängt sie ein.

Das Yak sagt: „So ein Quark!
Ich zottel wie ein Trottel
als letzter hinterdrein!“



mit freundlicher Genehmigung von: die amelie ´ 09


Photo copyright: Isabella Kramer
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Herbstgang

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Herbstgang

Die Bäume stehn der Frucht entladen,
Und gelbes Laub verweht ins Tal;
Das Stoppelfeld in Schimmerfaden
Erglänzt am niedern Mittagsstrahl.
Es kreist der Vögel Schwarm und ziehet,
Das Vieh verlangt zum Stall und fliehet
Die magern Aun, vom Reife fahl.

O geh am sanften Scheidetage
Des Jahrs zu guter Letzt hinaus
Und nenn ihn Sommertag und trage
Den letzten, schwer gefundnen Strauß.
Bald steigt Gewölk und schwarz dahinter
Der Sturm und sein Genoß, der Winter,
Und hüllt in Flocken Feld und Haus.

Ein weiser Mann, ihr Lieben, haschet
Die Freuden im Vorüberfliehn,
Empfängt, was kommt, unüberraschet,
Und pflückt die Blumen, weil sie blühn;
Und sind die Blumen auch verschwunden,
So steht am Winterherd umwunden
Sein Festpokal mit Immergrün.

Noch trocken führt durch Tal und Hügel
Der längstvertraute Sommerpfad.
Nur rötlich hängt am Wasserspiegel
Der Baum, den grün ihr neulich saht.
Doch grünt der Kamp von Winterkorne;
Doch grünt beim Rot der Hagedorne
Und Spillbeern unsre Lagerstatt!

So still an warmer Sonne liegend,
Sehn wir das bunte Feld hinan
Und dort, auf schwarzer Brache pflügend,
Mit Luftgepfeif, den Ackermann;
Die Krähn in frischer Furche schwärmen
Dem Pfluge nach und schrein und lärmen,
Und dampfend zieht das Gaulgespann.

Natur, wie schön in jedem Kleide!
Auch noch im Sterbekleid wie schön!
Sie mischt in Wehmut sanfte Freude,
Und lächelt tränend noch im Gehen.
Du, welkes Laub, das niederschauert,
Du Blümchen, lispelst: Nicht getrauert!
Wir werden schöner auferstehn!



Johann Heinrich Voß, 1751 - 1826




Photo copyright: Isabella Kramer
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Das Schicksal






Das Schicksal ist ein Wirbelwind,
ein armes Blatt, das Menschenkind.
Er treibt's zu Tal, er hebt's zum Hügel –
das Blättchen rühmt sich seiner Flügel.


- Hieronymus Lorm 


Photo copyright: Isabella Kramer
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Der Herbst

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Der Herbst

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Die Sonne schleicht zum Berg
Und steigt und steigt
Und ruht bei jedem Schritt.

Was ward die Welt so welk!
Auf müd gespannten Fäden spielt
Der Wind sein Lied.
Die Hoffnung floh –
Er klagt ihr nach.

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
O Frucht des Baums,
Du zitterst, fällst?
Welch ein Geheimnis lehrte dich
Die Nacht,
Daß eisiger Schauder deine Wange,
Die Purpur-Wange deckt? –

Du schweigst, antwortest nicht?
Wer redet noch? – –

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!
Ich bin nicht schön
– so spricht die Sternenblume –,
Doch Menschen lieb ich
Und Menschen tröst ich –

Sie sollen jetzt noch Blumen sehn,
Nach mir sich bücken
Ach! und mich brechen –
In ihrem Auge glänzet dann
Erinnerung auf,
"Erinnerung an Schöneres als ich: –
– ich seh's – und sterbe so." –

Dies ist der Herbst:
der – bricht dir noch das Herz!
Fliege fort! fliege fort!




Friedrich Wilhelm Nietzsche, 1844 - 1900


Photo copyright: Isabella Kramer
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Das Flüchtigste

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Das Flüchtigste

Tadle nicht der Nachtigallen
Bald verhallend süßes Lied;
Sieh, wie unter allen, allen
Lebensfreuden, die entfallen,
Stets zuerst die schönste flieht.

Sieh, wie dort im Tanz der Horen
Lenz und Morgen schnell entweicht;
Wie die Rose, mit Auroren
Jetzt im Silberthau geboren,
Jetzt Auroren gleich erbleicht.

Höre, wie im Chor der Triebe
Bald der zarte Ton verklingt.
Sanftes Mitleid, Wahn der Liebe,
Ach, daß er uns ewig bliebe!
Aber ach, sein Zauber sinkt.

Und die Frische dieser Wangen,
Deines Herzens rege Gluth,
Und die ahnenden Verlangen,
Die am Wink der Hoffnung hangen -
Ach, ein fliehend, fliehend Gut!

Selbst die Blüthe Deines Strebens,
Aller Musen schönste Gunst,
Jede höchste Kunst des Lebens,
Freund, Du fesselst sie vergebens;
Sie entschlüpft, die Zauberkunst.

Aus dem Meer der Götterfreuden
Ward ein Tropfen uns geschenkt,
Ward gemischt mit manchem Leiden,
Leerer Ahnung, falschen Freuden,
Ward im Nebelmeer ertränkt.

Aber auch im Nebelmeere
Ist der Tropfen Seligkeit;
Einen Augenblick ihn trinken,
Rein ihn trinken und versinken,
Ist Genuß der Ewigkeit.

Johann Gottfried von Herder




Photo copyright: Isabella Kramer
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Das Auge der Maus

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Das Auge der Maus

Das rote Auge einer Maus
lugt aus dem Loch heraus.

Es funkelt durch die Dämmerung…
Das Herz gerät in Hämmerung –

"Das Herz von wem?" Das Herz von mir!
Ich sitze nämlich vor dem Tier –

O Seele, denk an diese Maus!
Alle Dinge sind voll Graus.



Christian Morgenstern 




Gemälde copyright: Isabella Kramer

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Die Felswand

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Die Felswand

Feindselig, wildzerrissen steigt die Felswand.
Das Auge schrickt zurück. Dann irrt es unstät
Daran herum. Bang sucht es, wo es hafte.
Dort! über einem Abgrund schwebt ein Brücklein
Wie Spinnweb. Höher um die scharfe Kante
Sind Stapfen eingehaun, ein Wegesbruchstück!
Fast oben ragt ein Tor mit blauer Füllung:
Dort klimmt ein Wanderer zu Licht und Höhe!
Das Aug verbindet Stiege, Stapfen, Stufen.
Es sucht. Es hat den ganzen Pfad gefunden,
Und gastlich, siehe, wird die steile Felswand.






Conrad Ferdinand Meyer, 1825 - 1898






Photo copyright: Isabella Kramer
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Reisespruch

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Bunte Dörfer, bunte Kühe,
Ackerpracht und Ackermühe,
Reichsten Lebens frischer Lauf.
Dreht sich alles weit im Kreise;
Mittendurch geht deine Reise:
Thu nur Herz und Augen auf.



Otto Julius Bierbaum, 1865 - 1910






Photo copyright: Isabella Kramer

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An den "Krökelorden"

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An den »Krökelorden«

Ein alter Kauz, im hohlen Baum
Vertieft in seinen Tagestraum,
Doch aufgewacht durch lautes Pochen
Von Meister Specht und durch die Lieder
Der Vöglein, ist hervorgekrochen
Und spricht also:
Ihr Waldesbrüder!
Die Welt, das läßt sich nicht bestreiten,
Hat ihre angenehmen Seiten;
Sie liefert Körner, Käfer, Mäuse
Zum Wohlgeschmack in jeder Weise
Und geht auch wohl so bald nicht unter.

Ich grüße Euch; bleibt nur hübsch munter
Und macht Euch möglichst viel Pläsier.
Doch ich, der alt und kalt geworden,
Ich passe nicht in Euren Orden;
Mir ziemt die Ruhe. Gönnt sie mir.

Und als der Kauz also gesprochen,
Ist er zurück ins Loch gekrochen.



Wilhelm Busch 





Photo copyright: Isabella Kramer


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Das Infusorium

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Das Infusorium

War einst ein Infusorium - 
Es war das grösste um und um 
in seinem Wassertropfen. 
Es saß und dacht': "Wer gleichet mir? 
Was bin ich für ein riesig Thier! 
Ich bin so groß! - So weit man sicht, 
Erschaut man meinesgleichen nicht!" 

Kam eine Maus an diesen Ort
die hatte Durst und trank sofort
den ganzen Wassertropfen.
Mit sammt den Infusorien all
fünfhunderttausend auf ein Mal.
Gar mancher Mensch ist solch ein Tor,
wie dieser brave Infusor.



Heinrich Seidel 



Photo copyright: Isabella Kramer

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Der Bauer und sein Sohn

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Der Bauer und sein Sohn

Der Bauer steht vor seinem Feld
und zieht die Stirne kraus in Falten.
"Ich hab den Acker wohlbestellt,
auf reine Aussaat streng gehalten;
nun seh mir eins das Unkraut an!
Das hat der böse Feind getan!"

Da kommt sein Knabe hochbeglückt,
mit bunten Blüten reich beladen;
im Felde hat er sie gepflückt,
Kornblumen sind es, Mohn und Raden.
Er jauchzt: "Sieh, Vater, nur die Pracht!
Die hat der liebe Gott gemacht!"





Julius Karl Reinhold Sturm, 1816 - 1896






Photo copyright: Isabella Kramer




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Der Sommer




Sommer

Der Sommer dehnt sich durch des Himmels weiße Glut,
ein Schattenkönig, der ein Urteil sieht vollstrecken.
Despotisch siehst du ihn die fahlen Arme recken,
der müde Landmann schläft und jede Arbeit ruht.

Die Lerche sang heute nicht, sie blieb bei ihrer Brut.
Nicht eine Wolke will ein wenig Blau verdecken,
und nicht ein Windhauch will ein leises Säuseln wecken.
Die Stille lastet schwer auf Wiese, Hain und Flut.

In dieser starren Ruh verstummen selbst die Grillen,
die Bäche fließen nur in schmalen, seichten Rillen,
ihr Kieselbett ist leer, und gelb das Ufermoos.

Im grünen Tümpel nur im Schatten jener Espen,
da schwirren glitzernd noch Libellen ruhelos,
und manchmal blitzen durch die Luft schwarzgelbe Wespen.




Paul Verlaine, 1844 - 1896


Photo copyright: Isabella Kramer

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Attila, der Hunnenkönig

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ttila, der Hunnenkönig,
mochte Eis am liebsten cremig.

Uttila, der Hannenkönig,
aß selbst viel, die Hannen wenig.

Hunnila, der Attenkönig,
brüllte oft, war´ s Wetter föhnig.

Attinnen, der Hullaherrscher,
war bloßfäustiger Zermerscher.

Unnila, Hatten-Regent,
führte strengstes Regiment.

Hannilein, den Uttenfürst,
lockten Rentier-Räucherwürst.

Huttila, der Annenprinz,
sagte stets: „ i glaub, ihr spinnts!“

Huntila, dem Atnenkämpfer,
gab das immer einen Dämpfer.

Annilein, die einzge Frau,
ward Attinnens Braut. Schau schau!
Bracht´ ihm so das Huttenreich.
Ach, es läuft doch immer gleich!






mit freundlicher Genehmigung von: die amelie ´ 09
.initiale: John D. Batten, 1892


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Lügen und Tatsachen

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Lügen und Tatsachen 

Ich bin klein … 
das stimmt so nicht
nur wenn ich es selber glaube
fällt es richtig ins Gewicht

Ich bin dumm …
wär auch nicht schlimm
weil ich es ja gar nicht bin

Ich bin hässlich ...
Ansichtssache 
und mein Spiegel meint okay
ich will ihm nicht widersprechen
und drum mag ich, was ich seh

Größe, Klugheit, was auch immer
letztlich zählt, was in dir steckt
und egal wie dumm und klein
hässlich, grün, mit, ohne Bein
Güte, Liebe ist's die gilt
unbeirrbar festzuhalten
sie ist das, was wirklich zählt






isabella.kramer©veredit 2016 




Photo copyright: Isabella Kramer
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Die Raupe

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Die Raupe

Die Raupe auf dem Baume saß
Und von der Kron' die Blätter fraß.
Sie war im bunten Kleide,
Als wie von Samt und Seide,
Ein Staatsminister ging vorbei,
Der sah das Tier und rief: "Ei, ei!
Wie konnt es dir gelingen?
's geht nicht zu mit rechten Dingen!
Du unbegreiflich dummes Tier!
Ich wund're mich, drum sage mir:
Wie hast du's unternommen
Und bist so hoch gekommen?"
Und als die Raupe blieb nicht stumm,
Da wurd' er rot und dreht sich um.
Die Raupe hat gesprochen:
"Mein Freund, ich bin gekrochen!"



Adolf Glaßbrenner, 1810 - 1876




Photo copyright: Isabella Kramer



Es rollen Räder tagaus, tagein

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Es rollen Räder tagaus, tagein,
Und die Fenster singen ins Zimmer herein.
Die Scheiben sehen vertieft hinaus,
Als spähen sie nach den Rädern aus.

Sie grübeln über der Räder Sinn,
Und es singen die Fenster ganz sacht vor sich hin.
Wie Verliebte, die nicht mehr bei sich sind,
So summen die Scheiben hinaus in den Wind.

Und draußen rollen tagaus, tagein
Die Räder über das Pflastergestein.
Und jede Scheibe bewegt mitklingt,
Als ob im Rhythmus ihr Glasherz schwingt.




Max Dauthendey, 1867-1918



Photo copyright: Isabella Kramer
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Wieder duftet der Wald

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Wieder duftet der Wald. 
Es heben die schwebenden Lerchen 
mit sich den Himmel empor, der unseren Schultern schwer war; 
zwar sah man noch durch die Äste den Tag, wie er leer war, – 
aber nach langen, regnenden Nachmittagen 
kommen die goldübersonnten 
neueren Stunden, 
vor denen flüchtend an fernen Häuserfronten 
alle die wunden 
Fenster furchtsam mit Flügeln schlagen. 

Dann wird es still. Sogar der Regen geht leiser 
über der Steine ruhig dunkelnden Glanz. 
Alle Geräusche ducken sich ganz 
in die glänzenden Knospen der Reiser.



Rainer Maria Rilke


Photo copyright: Isabella Kramer
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Höre, liebe Kleine

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Höre, liebe Kleine


Märchen will ich dir erzählen
Sagen spinnen in dein Haar
von entführten schönen Prinzen
die zu retten aus Gefahr
nur die mutigsten der Frauen
auserkoren worden sind


von verrückten Abenteuern
die man barfuß nur erlebt
und von fernen Leuchtturmfeuern
die dir weisen deinen Weg
wenn du längst dich wähnst zu alt
um an Märchen noch zu glauben


ganz am Ende der Geschichten
sollte stets ein Schimmer leuchten
voller  Zuversicht und Glück
liebes Kind denn deine Träume
bringen mir zur großen Freude
meine eigenen zurück




isabella.kramer©veredit16





Bitte beachten Sie das Urheberrecht: Copyright Texte, Fotos und Graphiken = Isabella Kramer, veredit - wenn nicht anders erwähnt. Auch für private Homepages dürfen diese Texte, Fotos und Graphiken nicht ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis verwendet werden! Wenn Sie meine Gedichte oder Bilder verwenden wollen, fragen sie mich bitte. 

Kontakt über email: vere_dit@yahoo.de


Photo copyright: Isabella Kramer


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Fahrt mit Daddeldu

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Rumba)

Alle Mann an Deck!
Unser Schiff ist leck –
Neunzehnhundertzweiundreißig – Rumba!
Eh wir untergehn,
Wolln wir uns noch drehn
Im Orkan – Windstärke 12 – im Rumba.

Kuttel Daddeldu
Klebt das Schiffsleck zu
Und steigt in den Mastkorb mit der Buttel.
Alles jubelt laut.
Durch die Buttel schaut
Nach dem Kap der Hoffnung unser Kuttel.

Und das Schifflein rollt.
Alles tanzt und tollt.
Schöne Nixen knicksen auf und nieder,
Und der Kapitän
Schmunzelt souverän.
Daddeldu singt furchtbar laute Lieder.

Joachim Ringelnatz, 1883 - 1934





[Ringelnatz: Verstreut Gedrucktes. Joachim Ringelnatz: Das Gesamtwerk, S. 1312 (vgl. Ringelnatz-GW Bd. 2, S. 235)
Photo copyright: Isabella Kramer



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Deinethalben

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Die Sonne scheint für dich –
deinethalben,
und wenn sie müde wird,
fängt der Mond an,
und dann werden
die Sterne angezündet.


Søren Kierkegaard





Photo copyright: Isabella Kramer

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Offenbarung






Offenbarung

Natur spricht laut in Wort und Schrift
Du mußt nur Windeswehen
Und Duft und Klang und Wald und Trift
Und Fels und Meer verstehen!

Ein jeder Baum, der braust in Wettern,
Und jede Blume auf der Flur,
Und jeder Zweig ist voll von Blättern
Der Offenbarung der Natur.

Auf jedem Blatt steht licht und offen:
"O glaub' an helle Frühlingsluft!"
Auf jedem Blatt steht grünes Hoffen,
Still flüsternd um die Blumenbrust.

Auf jedem Blatt steht groß geschrieben:
"Der Geist der Lieb' durchweht die Flur!"
Auf jedem Blatt steht: "Lieben! lieben!"
Als Offenbarung der Natur.


Hermann Rollett, 1819 - 1904





Photo copyright: Isabella Kramer



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Maienflocken

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Maienflocken


Weiße Blüten streut der Wind
Wirbelnd von den Zweigen;
Komm’, wir wollen uns, mein Kind,
Seinem Spiele neigen!


O, wie lieblich ist der Tanz
All’ der Maienflocken;
Möchten gern im Sonnenglanz
Schmücken deine Locken.


Zählen will ich dann sie dir
Drunten an dem Flüßchen,
Und ich tausche dir dafür
Stück für Stück ein Küßchen.


Komm’, o komm’, mein holdes Kind,
Laß den Lenz dir zeigen,
Weiße Blüten streut der Wind
Wirbelnd von den Zweigen!



Josef Huggenberger, 1865–1945





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Sag an, o lieber Vogel mein

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"Sag an, o lieber Vogel mein,
Sag an, wohin die Reise dein?"
Weiß nicht, wohin,
Mich treibt der Sinn,
Drum muß der Pfad wohl richtig sein!

"Sag an, o liebster Vogel mir,
Sag, was verspricht die Hoffnung dir?
Ach, linde Luft 
Und süßen Duft
Und neuen Lenz verspricht sie mir!

"Du hast die schöne Ferne nie
Gesehen, und du glaubst an sie?"
Du frägst mich viel,
Und das ist Spiel,
Die Antwort aber mach mir Müh'!

Nun zog in gläubig-frommem Sinn
Der Vogel übers Meer dahin,
Und linde Luft
Und süßer Duft,
Sie wurden wirklich sein Gewinn!





Christian Friedrich Hebbel, 1813 - 1863




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Es gibt noch Wunder

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Es gibt noch Wunder, liebes Herz,
getröste dich!
Erlöste dich
noch nie ein Stern aus deinem Schmerz?


Das Strahlenspiel
vom hohen Zelt
in deiner Qualen
Tiefe fiel
und sprach: "Sieh, wie ich zu dir kam
vor allen andern ganz allein!
Bin ich nicht dein?
Getröste dich!"


Erlöste dich
noch nie ein Stern?





Christian Morgenstern




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Aprilwetter

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Aprilwetter


Sprühregen, drein die Sonne scheint,
Jetzt da und jetzt auch schon vorüber,
So kurz, wie wach der Säugling weint,
Er wendet sich und schlummert lieber.


Sprühregen! Jetzt der Himmel blau,
Und jetzt von Wolken überzogen,
Nun lachend über allem Grau
Im Wunderschein der Regenbogen.




Martin Greif (Friedrich Hermann Frey), 1839-1911







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Rotkäppchen, mal anders

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Ralf, der Wolf, schritt durch den Wald, 
hoffte still "ach, fänd ich bald
einen feinen Leckerbissen
ohne auf die Jagd zu müssen!"

Sieh - da kreuzte - welch ein Glück -
Rotkäppchen des Wolfes Blick!
Sah zum Anbeißen heut aus.
Appetitlich! Ei der Daus!

Und im Korb das Mädchens gar
sah er Rotwein, wunderbar!
Kuchen auch noch - als Dessert!
Sowas freut den Wolf schon sehr! 

Also schlich er sich leis an
an die knusprige Madame,
welche sich am Wegrand bückte
und manch Blümchen dabei pflückte. 

"Holdes Fräulein, seid gegrüßt"
sprach der Wolf, ganz zuckersüß.
"Unterwegs heut so allein?
Ach, ist es im Wald nicht fein?

Hört, ich kenn' da einen Platz
wo im Handumdrehn, Ratz-Fatz!,
ihr den schönsten Blumenstrauß
pflücken könnt. Ein Augenschmaus!"

Bei dem Schmause-Wort, da rann
Sabber Wolf Ralfs Kinn entlang. 
Rotkäppchen, recht aufgeweckt,
rief "erst spielen wir Versteck!

Halt den Korb und zähl bis dreißig.
Ich verberg mich derweil fleißig."
Sprach's und sprang vergnügt von hinnen.
Ralf, der Wolf, begann zu sinnen

"Eins, zwei, drei, was kommt danach?
Rechnen war noch nie mein Fach..."
Und so steht er heute noch. 
Mit 'nem Korb, im Bauch ein Loch.





mit freundlicher Genehmigung - Gedicht und Foto ©die amelie


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Die Traubenhyazinthe

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Die Traubenhyazinthe 

Angenehmes Frühlingskindchen, 
Kleines Traubenhyazinthchen, 
Deiner Farb und Bildung Zier 
Zeiget mit Verwundrung mir 
Von der bildenden Natur 
Eine neue Schönheitsspur. 

An des Stengels blauer Spitzen 
Sieht man, wenn man billig sieht, 
Deiner sonderbaren Blüt 
Kleine blaue Kugeln sitzen, 
Dran, so lange sich ihr Blatt 
Noch nicht aufgeschlossen hat, 
Wie ein Purpurstern sie schmücket, 
Man nicht sonder Lust erblicket. 

Aber wie von ungefähr 
Meine Blicke hin und her 
Auf die offnen Blumen liefen, 
Konnt ich in den blauen Tiefen 
Wie aus himmelblauen Höhen 
Silberweiße Sternchen sehen, 
Die in einer blauen Nacht, 
So sie rings bedeckt, im Dunkeln 
Mit dadurch erhöhter Pracht 
Noch um desto heller funkeln. 

Ihr so zierliches Gepränge, 
Ihre Nettigkeit und Menge, 
Die die blauen Tiefen füllt, 
Schiene mir des Himmels Bild, 
Welches meine Seele rührte 
Und durch dieser Sternen Schein, 
Die so zierlich, rein und klein, 
Mich zum Herrn der Sterne führte, 

Dessen unumschränkte Macht 
Aller Himmel tiefe Meere, 
Aller Welt- und Sonnen Heere 
Durch ein Wort hervorgebracht; 
Dem es ja so leicht, die Pracht 
In den himmlischen Gefilden 
Als die Sternchen hier zu bilden. 

Durch dein sternenförmig Wesen 
Gibst du mir, beliebte Blume, 
Ein' Erinnerung zu lesen, 
Daß wir seiner nicht vergessen, 
Sondern in den schönen Werken 
Seine Gegenwart bemerken, 
Seine weise Macht ermessen 
Und sie wie in jenen Höhen 
So auf Erden auch zu sehen.



Barthold Hinrich Brockes, 1680 - 1747




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Beruf des Storchs

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Der Beruf des Storchs



Der Storch, der sich von Frosch und Wurm
An unserm Teiche nähret,
Was nistet er auf dem Kirchenturm,
Wo er nicht hingehöret?

Dort klappt und klappert er genug,
Verdrießlich anzuhören;
Doch wagt es weder Alt noch Jung,
Ihm in das Nest zu stören.

Wodurch - gesagt mit Reverenz -
Kann er sein Recht beweisen?
Als durch die löbliche Tendenz
Aufs Kirchendach zu .......


Johann Wolfgang von Goethe





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Schneeglöckchen

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Schneeglöckchen

Schneeglöckchen auf öder Fläche
Blühst Du, die noch halb verschneit,
Während ringsum Strom und Bäche
Raum vom starren Eis befreit.
Und wie Deine Blütenflocken
Sich im Wind jetzt leise schwingen,
Ist's, als hört' ich ferne Glocken
Schon vom nahen Frühling fingen.
Sprich, was soll der Klang bedeuten?
Schneeglöckchen drauf ruft mir zu:
„Mit den weißen Glocken läuten
Wir den Winter still zur Ruh."







Günther Walling, 1839-1896








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Das Wunder im Park

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Das Wunder im Park


Ein dumpfer Mensch saß unter Bäumen
und nährte Bitterkeit und Groll,
statt seine Galle fortzuräumen
und froh zu atmen, wie man soll.

Da kam ein Blinder, seltsam leise
hintastend im Bereich des Lichts,
und pfiff den Vögeln, Spatz und Meise,
und stand verzauberten Gesichts.

Wie Sankt Antonius streut' er Krumen,
entrückt und selig ganz und gar;
es schien, er reichte selbst den Blumen
und Baum und Himmel etwas dar.

Da war dem Traurigen, er finde
zum erstenmal des Lebens Sinn,
und plötzlich sah er – wie der Blinde –
und gab sich ganz dem Wunder hin.

Peter Scher, 1884 - 1935






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Vorfrühling

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Vorfrühling

Verloren im Raume
ein erster Vogelruf.

Doch schwer hinschnaubend
durchs dampfende Marschland
mit dem Eisen durchwühlt's
der gewaltige Stier.

Und festen Tritts hinter ihm
schreitet der Mensch,
die Körner schleudernd,
wo auseinander
mit schwarzroten Wellen
schäumt der Grund.

Regenschwanger
der Himmel darüber
breit lagernd
in schlafender Kraft.






Ferdinand Ernst Albert Avenarius, 1856 - 1923



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Unter der Kastanie

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Einst in einem Märchenwald
stand ganz knorrig, groß und mächtig
ein Kastanienbaum gar alt,
seine Krone weit und prächtig.

Vieles schon hat er gesehen
und so manches auch erlebt.
Musst schon hundert Jahr dort stehen.
Hat kein einz'ges Mal gebebt.

Unter seiner breiten Krone
schützend grünem Blätterdach
schirmt vor Regen er und Sonne.
Nah tönt rauschend kühl ein Bach.

Dieses war der liebste Ort
der Prinzessin Ann-Kathrein.
Oft lief aus dem Schloss sie fort
um ein Weilchen hier zu sein.

Und obwohl sie einst verlor
hier ein Kästchen voller Schätze,
steigt noch immer sie empor
zu dem schönsten aller Plätze.

Denn wenn lang genug sie schwieg
und dem Bächleinglucksen lauschte,
kam es vor, dass Nebel stieg,
welcher sacht und weich sich bauschte.

Heute hält sie plötzlich still,
denn auf einmal kann sie sehen,
wie gehüllt in Nebeltüll
sich hervorwagen die Feen.

Langsam erst und noch verzagt,
doch als klar, dass nichts gefährlich,
bald von Übermut geplagt
tanzen, singen sie gar herrlich.

Wunderhübsch, so sieht das aus,
wie in ihren Glitzerkleidern
sie sich drehn in Saus und Braus.
„Wer mag solche Roben schneidern?“

frägt sich Ann-Kathrein und schweigt,
hält ganz still um nicht zu stören.
Ihren Kopf sacht schief geneigt
um die Melodie zu hören,

die zum Plätschergluckerklang
fein in Bächleins Lied verwoben
nun ertönt wie Vogelsang.
Da! Ein „Knack!“ - schon sind zerstoben

alle tief ins Unterholz,
die doch eben noch getanzt
und gesungen voller Stolz.
Leer liegt nun die Lichtung ganz.

Ann-Kathrein reibt sich die Augen.
Viel zu rasch ist das geschehn.
Ist nicht sicher, ob sie glauben
kann, was sie grad noch gesehn.

Sehnt zurück so sehr den Reigen
all der zarten Elfenwesen.
Tränchen in die Augen steigen,
weil es gar so schön gewesen.

Doch da tritt in dem Moment
aus dem Unterholz ein Fuchs.
Humpelt, wie sie gleich erkennt,
hat wohl Schmerzen vorn am Fuß.

Direkt kommt er auf sie zu,
Ann-Kathrein wagt kaum zu atmen,
mustert sie in aller Ruh,
scheint auf Reaktion zu warten.

„Du warst das im Unterholz,
der die Feen hat verscheucht!“
spricht sie voller Mut und Stolz
„und hast Schmerzen, wie mich deucht.“

Langsam, um ihn nicht zu schrecken,
hebt den Finger sie und zeigt
auf die Pfote, in der stecken
Dornen, wohl vom Rosenzweig.

„Ach, du armer, lass mich helfen!“
bittet sie ganz leis und sacht.
Längst vergessen sind die Elfen.
Kurz darauf ist es vollbracht:

dicke Stacheln, gleich drei Stück!,
hat behutsam sie gezogen
zu des Fuchses großem Glück,
welcher ihr nun sehr gewogen.

„Holde Maid, ich danke dir!“
wispert rau und leis der Fuchs.
„Sei so lieb und warte hier“
spricht er und entschwindet flugs.

Ann-Kathrein kann's gar nicht fassen,
was ihr hier grad widerfährt.
Will sich überraschen lassen,
wartet nun, wie sich's gehört.

Bald schon ist der Fuchs zurück,
zerrt ein Säcklein hinterher.
Legt es nur ein kleines Stück
weg von ihr hin: „bitte sehr!“

Fragend sieht den Fuchs sie an,
dieser stupst sie sanft und nickt.
Als der erste Blick getan
lachen beide ganz entzückt.

Eine winzig kleine Kiste
voller Schätze und Geschmeide.
Jene, die sie so vermisste!
Reich beschenkt fühl'n sich nun beide.

Nicht nur, weil der Schmerz vorbei
und zurück, was einst verlor'n.
Sondern weil soeben zwei
Freundschaft haben sich geschwor'n.







mit freundlicher Genehmigung von: die amelie ´ 08
Gemälde John Bauer, 1882-1918

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